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[Rezension] Jane Gardam – Ein untadeliger Mann

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Buchdetails

Erscheinungsdatum Erstausgabe :24.08.2015

Verlag : Hanser Berlin

ISBN: 9783446249240

Fester Einband 352 Seiten

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schnörkel

Erinnerung und Sehnsucht – ich darf sie nicht aus den Augen verlieren. Muss sie bewahren. (S.338)

Inhalt

Edward Feathers war einst ein sehr erfolgreicher Kronanwalt in Hongkong, hatte eine bezaubernde Frau und ein unbeschwertes Leben. Jetzt ist er achtzig Jahre alt und lebt allein in einem Haus in England. Doch war sein Leben wirklich mühelos? Ist diesem untadeligen Mann nie etwas zugestoßen, dass ihn aus seiner Laufbahn geworfen hätte? Er selbst hat scheinbar erfolgreich verdrängt, was in seinen Kindertagen geschehen ist. Doch seit dem Tod seiner Frau bricht in Eddie Stück für Stück etwas auf, eine totgeschwiegene Vergangenheit rückt ans Licht.

Rezension

Ich gebe zu, dies ist mal wieder einer der Romane, die mir eine Rezension etwas erschweren. Nicht, weil ich keine Meinung dazu hätte, was ich gelesen habe, und auch nicht, weil es mir nicht gefallen hätte. Aber dieses Buch ruft so viele verworrene Gedankengänge in mir hervor, dass ich Mühe habe, sie in geordnete Bahnen zu lenken.

Die Geschichte wird sehr, sehr ruhig erzählt. Wo andere Autoren mit Effekten in Sprache und Bild zum alles vernichtenden Schlag ausholen, beschreibt Jane Gardam den Tod schon fast nüchtern und abgeklärt. Durch diesen Stil blieben allerdings hin und wieder auch die Emotionen bei mir als Leser ein wenig aus. Das Leben des Edward Feathers war alles andere als langweilig, doch durch den behäbigen Erzählstil wirkt es doch durchgehend wenig aufgeregt.

Wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, ist dieses Buch allerdings eine richtige Perle an scharfsinniger Menschlichkeit, geschrieben mit einigem Witz und gut pointierten Dialogen.

Die Charaktere sind alle ein wenig neben der Spur, sei es Eddies Vater, oder seine zwei Tanten – Les Girls, wie sie sich selbst gerne nennen – seien es seine Cousinen Babs und Claire, selbst der Schuldirektor und viele weitere Nebencharaktere scheinen alle nicht das zu sein, was man hinlänglich unter „völlig normal“ verstehen würde. Vielleicht ist es aber auch der Gegensatz dieser etwas verqueren Menschen zu der ruhigen Erzählart der Geschichte, der dieses Buch einmalig macht. Neben Eddie ist mir „Sir“ als sympathischster Charakter aufgefallen, die Dialoge zwischen ihm und Eddie sind famos!

Am Ende des Buches erfährt man dann auch endlich, was denn nun in den Kindertagen in Wales passiert ist. Und Eddie, der sein Leben lang dachte, dass er als Strafe für sein damaliges Handeln immer wieder verlassen und allein gelassen wird, erfährt, dass er … Nein, das kann ich nicht verraten, lest selbst. Ich hatte jedenfalls das Bedürfnis, das Buch mit dem neuen Wissen noch einmal von vorne zu lesen. Viele Stellen würde ich jetzt sicherlich anders lesen und auch anders – oder teils auch besser – verstehen.

Fazit

Anspruchsvoll geschriebener Roman über ein ganzes Leben. Darüber, was wirklich wichtig ist im Leben. Menschlichkeit.

Bewertung: 4 / 5 Sterne ★★★★

schnörkel

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Ein Kommentar zu „[Rezension] Jane Gardam – Ein untadeliger Mann

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