Rezensionen · Romane

[Rezension] Niah Finnik – Fuchsteufelsstill

2017-06-10 08.56.17

Buchdetails

Erscheinungsdatum Erstausgabe : 07.04.2017

Verlag : Ullstein fünf

ISBN: 9783961010035

Flexibler Einband 304 Seiten

beimVerlagBestellensterne5

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„Wir alle wiesen ein hohes Risiko auf, an Suizid zu sterben, das war Teil unserer Diagnosen. Nun war einer von uns gestorben, und niemand wusste, warum.“ (S.88)

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Inhalt

Juli wollte ihr Leben mit einer Überdosis beenden. Der Suizidversuch scheiterte und sie kam in eine Klinik, in der man sich ihrer Probleme annahm. Sie ist Autistin, leidet am Asperger-Syndrom. Ihr Leben ist geprägt von Angst und Zweifel, Zwängen und Gedanken, die sie nicht kontrollieren kann. Dort lernt sie nun Sophie (bipolar) und Philipp (schizophren) kennen und gemeinsam erleben sie ein Wochenende fernab der Klinik, dass sie eng zusammenschweißen wird und vorallem jedem seine eigenen Ängste aufweist.

Rezension

Niah Finnik weiß, wovon sie schreibt. Selbst Autistin, beschreibt sie die Gedanken der Protagonistin Juli mit unerbittlicher Klarheit. Nie sieht sich Juli in der Opferrolle, nie hat man das Gefühl, sie für ihre Andersartigkeit bemitleiden zu müssen. Viel eher ist es so, als ob uns ein Fenster geöffnet wird in eine Welt, in der wir als „normale“ Menschen keinen Zutritt haben.
Vor Julis innerem Auge reihen sich Bilderketten aneinander, sobald sie bestimmte Begriffe hört, eins kommt zum nächsten und sie schweift so sehr gedanklich ab, dass sie die Welt um sich herum vergisst. Wenn man sie fragt, wie es ihr geht, antwortet sie nicht mit einem simplen „gut“ oder „schlecht“, sie spricht in Minuten, um genau ausdrücken zu können, wie es ihr wirklich geht.

Und nun sprengt sie ihre Routine, geht mit Sophie und Phillip auf ein Abenteuer, immer nach Norden, denn im Süden lauert die Angst. Sie lernen Menschen kennen und stellen fest, dass Außenstehende sie gar nicht für verrückt eingestuft hätten. Sind sie denn verrückt? Oder sind sie einfach anders? Was haben wir für Vorstellungen, wenn uns Menschen mit einer psychischen Krankheit begegnen? Das Buch schafft etwas, das man immer wieder gern selbst verdrängt. Es veranlasst den Leser, selbst die Frage zu stellen: Wie tolerant bin ich? Natürlich fällt es leicht, die personifizierte Toleranz zu sein, wenn man niemanden kennt, der selbst betroffen ist. Aber wie sieht es aus, wenn wir genau so jemanden kennenlernen? Kommen wir damit klar, behandeln wir ihn normal, oder fassen wir ihn mit Samthandschuhen an, haben wir vllt sogar Angst, dass seine „Krankheit“ ansteckend ist? Nicht nur wir sollten uns das fragen, auch Juli steht der Schizophrenie Phillips kritisch gegenüber, hat Angst vor dem was er tut und dass es auf sie abfärben könnte.

Das Ziel der Reise findet sich, wenn Juli erkennt, dass sie vor ihrer Angst nicht fliehen kann, dass sie ein Teil von ihr ist, den sie akzeptieren muss. Vielleicht ist ihr damit schon sehr geholfen.

Fazit

Ein sehr intelligentes Buch, welches zum Nachdenken anregt, mit Personen, die so verrückt wirken, dass sie beinahe schon wieder normal sind.

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Meine Gedanken verflüssigten sich, ergossen sich unkontrolliert über den Fußboden und verteilten sich um mich herum, bis ich knietief darin saß. Ich rührte mit meinen Füßen in ihnen herum, erst mit dem einen und dann mit dem anderen, und sah zu, wie sie sich ineinander verhakten. (S. 59)

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 Randinformation

Wusstest ihr, dass man die Zahl 37037 mit einer x-beliebigen einstelligen Zahl multiplizieren kann, dieses Ergebnis erneut mit 3 multipliziert und das Ergebnis IMMER die x-beliebige Zahl vom Anfang ergibt?

Randinformation 2

Zum Thema Asperger-Syndrom gibt es einen ganz wunderbaren Film, der sich „Mary & Max“ nennt, sehr empfehlenswert für alle, die sich gern mit diesem Thema weiter auseinandersetzen wollen. 🙂

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2 Kommentare zu „[Rezension] Niah Finnik – Fuchsteufelsstill

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