Fantasy · Rezensionen

[Rezension] Lisa Brenk – Gekoffert und Verschleppt

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Buchdetails

Erscheinungsdatum Erstausgabe :29.01.2016

Verlag : Wölfchen Verlag

ISBN: 9783943406672

Flexibler Einband 512 Seiten

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schnörkel

 

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Man brachte mich während des Aperitifs in einen Parcours, in dem man erst klettern und dann seinen Mut beweisen konnte, indem man sich möglichst kunstvoll auf große Strohmatratzen fallen ließ. Es gab glühende Kohlen zum Darüberlaufen, einen großen Eisblock, auf dem man um die Wette tanzte, Fechtduelle beim Bankett … (S. 377)

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Inhalt

Der 13-jährige Robert Julius Caillou wird entführt. Nein, er wird richtiggehend gekoffert, das heißt, Menschen dringen des nächtens in sein Schlafzimmer ein und stecken ihn in einen Koffer. So gelangt er in die so genannte Oberwelt. Hier soll er nun zum Zauberer ausgebildet werden, obwohl sich recht früh herausstellt, dass er keinerlei Talent für diesen Beruf mit sich bringt. Zusammen mit seinem Totem Tatu, einer Hyäne, nutzt er also einen günstigen Augenblick und verschwindet. Durch Wälder, über Berge, durch weite Gebiete und verlassene Schiffe führt ihn sein Weg Richtung Immerstadt, der ewigen Stadt, in der er den Weg nach Hause zu finden hofft.

Rezension

Das Cover verrät es bereits, dieses Buch strotzt nur so vor Fantasie. Anders als in den meisten Fantasygeschichten findet man hier neue, unbekannte Gestalten. Keine Werwölfe, Vampire und ähnlich gern verwendetes lebt in der Oberwelt, die durch einen Umwirbel mit der unsrigen Welt verbunden ist. Manche Namen waren leider so abstrus, dass ich sie mir weder vorstellen noch ernst nehmen konnte.

Überall Abenteuer

Nun ist unser junger Abenteurer also in dieser neuen Welt gelandet und sieht sich plötzlich Gefahren und Abenteuern an jeder Ecke gegenüber. Und genau hier setzt mein erster Kritikpunkt ein. Es war einfach zu viel. Zu viele Abenteuer, Randgeschichten, Erlebnisse, in die Robert hineinschlitterte, nein viel mehr hineinstolperte. Denn das war es. Während er den Weg Richtung Immerstadt sucht, trifft er immer wieder auf Figuren, die ihn in mehr oder weniger brenzlige Situationen hineinführen. Nichts geht so richtig von ihm aus, immer ist jemand anderes der Anlass.

Unterbrochen wird die Erzählung, die nachträglich aus Tagebucheinträgen zusammengeschrieben wurde, von Erklärungen eines der Bewohner der Oberwelt. Diese Einschübe lockern das Geschehen immer wieder auf und gefielen mir sehr gut. Auch die kleinen Zeichnungen, die das Gelesene untermauern, fand ich wundervoll.

Zufall über Zufall

Der Einstieg in die Geschichte ist spannend, man weiß genauso wenig wie Robert selbst und fällt quasi mit ihm zusammen durch den Umwirbel. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, Robert und Tatu erobern das Leserherz direkt zu Beginn. Die Autorin versteht es, diese neue Welt in anschaulichen Bildern zu beschreiben und mit vielen Details auszuschmücken. Doch ab der Hälfte des Buches wurde ich zunehmend unruhiger. Robert ist mehr Mitläufer als selbstständig, er fällt in Abenteuer, er lässt sich aus diesen heraushelfen, viele Tage verstreichen, ohne das etwas nennenswertes passiert. Sein eigentliches Ziel, die Heimfahrt nach Hause, behält er zwar im Hinterkopf, aber irgendwie war ich mit der Entwicklung in Immerstadt nicht so richtig zufrieden. Vielleicht hätte es geholfen, wenn man manches etwas mehr gerafft hätte. Einige Situationen wirkten auf mich aufgesetzt, als müsste jetzt endlich wieder etwas abstruses passieren. Im letzten Drittel nimmt die Geschichte dann wieder Fahrt auf, doch auch hier reihen sich viele, viele böse Zufälle aneinander, so dass Robert weiter durch Oberwelt strauchelt.

Das Ende fällt völlig anders aus, als gedacht, auch wenn der aufmerksame Leser sicherlich schon den ein oder anderen Hinweis vorher finden konnte. Aber auch hier wirkte die Aufdröselung ein wenig gewollt, ein wenig schnell, ein wenig … viel.

Die Sprache ist sehr schön, detailverliebt, und dank des Ich-Erzählers ist man mittendrin im Geschehen. Nicht immer funktionierten die Zeitformen, aber sei es drum.

Fazit

Ein hübsches Abenteuer für Jung und Alt. Ich hatte mir ein wenig mehr erhofft, nachdem der Klappentext und der (echt schöne!) Buchtrailer so vielversprechend waren. Ein wenig mehr Tiefe an manchen Stellen, ein bisschen weniger Abenteuer an anderer Stelle hätten sicherlich noch mehr aus der Geschichte herausholen können. Eine Geschichte, die sich mit einer Entführung befasst, dem Wunsch Heimzukehren, Freundschaft und Zusammenhalt, Verrat und dem Leben an sich in der Oberwelt.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Handlung ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

Charaktere ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Sprache ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Emotionen ★★★☆☆ ( 3 / 5 )

= 3.6 ★★★★

 

schnörkel

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7 Kommentare zu „[Rezension] Lisa Brenk – Gekoffert und Verschleppt

  1. Hallo Gabriela,

    vielen Dank für die schöne Rezension.
    Finde ich sehr gut, dass du deine Bewertung aufgefächert hast und deiner Meinung mehr Gewicht und Transparenz gibst…:)

    Weiter so!

    LG Torsten

    Gefällt 1 Person

    1. Schwere Frage .. Für den gesamten Lesegenuss ist alles wichtig. Aber ich lege bei einem Buch schon sehr viel Wert auf die Sprache, das heißt nicht, dass sie hochtrabend und geschwollen sein soll, aber sie muss zur Geschichte passen.
      Und die Handlung ist das A und O, wenn nichts passiert und die Story auf einer Stelle tritt, … !

      Gefällt 1 Person

  2. Mir sind die Charaktere immer sehr wichtig, ich finde gute Charaktere können sogar eine schwächelnde Handlung raushauen…;)

    Aber cool, dass du es etwas auffächerst!

    LG Torsten

    Gefällt 1 Person

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