Rezensionen · Romane

[Rezension] Jodi Picoult – Kleine große Schritte

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Erscheinungsdatum Erstausgabe: 02.10.2017

Verlag: C. Bertelsmann

ISBN: 9783570102374

Fester Einband 592 Seiten

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Wenn ich schon nichts Großes bewirken kann, kann ich doch auf großartige Weise kleine Schritte machen. 

Martin Luther King Jr.

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Inhalt

Ruth ist seit 20 Jahren Hebamme mit Leib und Seele. Sie kümmert sich liebevoll um ihre großen und kleinen Patienten. Doch dann entbindet sie ein rassistisch eingestelltes Ehepaar von ihren Pflichten ihrem Baby gegenüber aufgrund ihrer Hautfarbe, denn Ruth ist dunkelhäutig.

Nur kurz ist Ruth allein mit dem Baby der Bauers, als es zu Atemnot und Herzversagen kommt. Hin- und hergerissen zwischen ihrer Pflicht, dem Baby umgehend zu helfen und dem Verbot der Eltern und ihrer Vorgesetzten, weiß Ruth nicht, was sie tun soll, entscheidet sich – kann aber das Kind nicht mehr retten. Es kommt zur Mordanklage, denn blind vor Trauer und Wut, suchen die Eltern des Babys einen Schuldigen.

Rezension

Jodi Picoult ist eine Meisterin der menschlichen Schicksale. Ob es Knochenmarkspenden sind oder die Glasknochenkrankheit, menschliche Schicksale sind ihr Gebiet. Im Nachwort, welches ich wirklich sehr interessant fand, erklärt sie, dass sie schon am Anfang ihrer Karriere ein Buch über Rassismus schreiben wollte, damals jedoch scheiterte. Nun fand sie den Fall einer afroamerikanischen Krankenschwester in Flint, der von einem rechtsextremistischen Vater untersagt wurde, sein Baby anzufassen. Aus diesem Fall entwickelte sie die Geschichte um Ruth.

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Sie holt tief Luft. „Glauben Sie wirklich, dass ich, wenn ich weiß wäre, jetzt hier mit Ihnen sitzen würde?“

Man kann sich mit diesem Fall, in dem es im Wesentlichen um eine Krankenschwester, die in ihrer Abteilung die einzige Farbige ist, um einen weißen rassistischen Vater und eine Hauruckaktion einer Krankenhausverwaltung geht, nicht befassen … und nicht unterstellen, dass Rasse eine Rolle spielt. (S. 251)

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Die Schwierigkeit dieses Falls liegt darin, dass jeder von vornherein weiß, dass es eine Frage des Rassismus ist, um die es sich hierbei handelt. Hätte der Vater Ruth nicht verboten, sich um das Kind zu kümmern, hätte sie nicht gezögert. Doch er hat genau das getan. Warum? Weil er ihre Hautfarbe hasst. Nur kann man den Rassismus nicht in den Gerichtssaal bringen, dorthin, wo er eigentlich tatsächlich hingehört.

Erzählt wird in drei Perspektiven: Ruth als Angeklagte, Turk, der Vater des toten Babys, als Kläger, und Kennedy, die Verteidigerin. Picoult schafft es wieder einmal, dass man alle Seiten lernt zu verstehen, auch wenn dies gerade bei dem Rechtsextremisten Turk Bauer sehr schwer fällt. Natürlich ist Rassismus das ganz große Thema des Buches. Wobei es nicht nur um Schwarz und Weiß geht, sondern auch um die ganzen Grautöne die dazwischen liegen. Jeder möchte sich gern als vorbehaltlos sehen, möchte sagen, dass er keinen Unterschied macht. Aber es sind so viele kleine Dinge, die uns teilweise anerzogen sind, die uns durch Medien suggeriert werden, die wir für normal halten.

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Sie sagen, Sie sehen keine Farbe … aber das ist alles, was Sie sehen. Sie sind sich dieser so überaus bewusst und versuchen, so sehr den Eindruck zu erwecken, keine Vorurteile zu haben, dass Sie nicht mal begreifen, dass ich, wenn Sie sagen, Rasse zählt nicht, nur heraushöre, dass Sie das abwerten, was ich gefühlt, was ich erlebt habe und wie es ist, aufgrund meiner Hautfarbe abgewertet zu werden. (S.303)

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Auch wenn es mir selbst Bauchschmerzen bereitet hat beim Lesen, so musste ich mich doch immer wieder in der Rechtsanwältin Kennedy wiederfinden. Ich habe keine Ahnung, wie sich eine dunkelhäutige Person wirklich fühlt, in einer Gesellschaft, die so sehr von Weißen dominiert wird. Ich habe keine Ahnung vom täglichen Spießrutenlauf ihres Lebens. Ich muss nicht darüber nachdenken, denn mich starrt niemand auf der Straße misstrauisch an. Auch zeigt Picoult, dass Farbige ebensolche Vorurteile gegen „uns“ hegen. Umso besonderer ist dieses Buch, denn es zeigt nicht mit dem großen Finger auf die einzelne Person, sondern macht uns allen klar, dass wir nicht frei von Vorurteilen, ganz gleich welcher Art, sind. Denn auch abgesehen von der Hautfarbe tragen wir diese Vorurteile mit uns herum, urteilen wir nach Namen, Aussehen, Kleidungsstil, Job.

Auch fand ich schön, dass die Figuren eine Entwicklung durchgemacht haben innerhalb der Geschichte, wobei die von Turk wohl die wichtigste war. Auch Ruth und Kennedy haben einen Teil ihrer Vorurteile ablegen können, was mir sehr gefiel.

Ein etwas fader Beigeschmack hat das Ende trotzdem. Es wurde lange auf etwas hingearbeitet, was am Ende nicht eintraf – auf der einen Seite eine sehr positive Entwicklung für die Geschichte, auf der anderen hatte ich das Gefühl, als hätte ich irgend etwas verpasst. Nichtsdestotrotz ein rundum gelungener Roman.

Fazit

Ein wirklich gutgeschriebenes Buch mit Charakteren, in die man sich hineinversetzen kann. Das Thema Rassismus ist nach wie vor allgegenwärtig und es sollten mehr solcher Bücher geschrieben werden.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★★ ( 5 / 5 )

Handlung ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Charaktere ★★★★★ ( 5 / 5 )

Sprache ★★★★★ ( 5 / 5 )

Emotionen ★★★★★ ( 5 / 5 )

= 4,8 ★★★★★

 

schnörkel

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18 Kommentare zu „[Rezension] Jodi Picoult – Kleine große Schritte

  1. Du hattest mich eh schon überzeugt dem Buch trotz unpassendem Cover eine Chance zu geben, aber nach dieser Rezension ist das Buch auf der Leseliste ungemein nach oben gerutscht. 😉
    Wirklich toll geschrieben und wenn nicht Ende des Monats wäre, würde ich vermutlich gleich noch in die nächste Buchhandlung spazieren. 😀

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo,
    also nach deiner Rezi muss ich wohl doch mal zu dem Buch greifen. Mich hat auch wie viele das unpassende Cover abgeschreckt, denn ich hätte mit einer anderen Geschichte gerechnet.
    Ein weiterer Titel auf meiner WuLi. 😉
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

    Gefällt 1 Person

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