Rezensionen · Romane

[Rezension] Richard Adams – Die Hunde des Schwarzen Todes

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Werbung | Erscheinungsdatum Erstausgabe: 1979  Verlag : Ullstein TB

ISBN: 9783548232096  Flexibler Einband 447 Seiten  Genre: Roman

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Wenn jeder von uns darauf bestünde, sich die Zeit zu nehmen, in jedem Fall abzuwägen, was dafür und was dagegen spricht, dass wir einem anderen, ob Mensch oder Tier, durch gehorsame Erfüllung der Befehle Leid zufügen, dann könnte die Welt funktionieren.

(S.27)

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Inhalt

Mitten im beschaulichen Lawson Park im englischen Lake District wird ein Forschungsinstitut errichtet. Experimente jeglicher Art, ob nützlich oder nicht, werden hier an einer großen Anzahl von Tieren durchgeführt. Im Hundezwinger leben Wuff, ein großer schwarzer Hund und Snitter, ein Foxterrier, Käfigseite an Käfigseite. Eines Tages gelingt ihnen die Flucht aus den Fängen der Forscher, doch damit endet nicht ihr Leiden. Denn es beginnt eine Odyssee für die beiden Hunde, derer sie nicht immer gewachsen zu sein scheinen.

Rezension

Als ich mir das Buch heraussuchte, wurde ich von einigen Mitmenschen kritisch beäugt. Ein Buch über Tierexperimente? Das kann ich nicht lesen, das verkrafte ich nicht. Worte einer bekennenden Thrillerleserin, der es nicht blutig genug zugehen kann. Solche und ähnliche Reaktionen gab es viele. Aber warum? Sollten wir nicht gerade Bescheid wissen, darüber, was in der Welt passierte und noch immer geschieht? Denn Richard Adams erklärt in seinem Vorwort direkt, dass sämtliche beschriebene Experimente irgendwann einmal an lebenden Tieren durchgeführt wurden.

Da hätten wir zum Beispiel die Tauben, denen man das Gehör zerstörte, das Gefieder, die Füße, die Augen, sie verschiedenen Witterungen dauerhaft aussetzte, um herauszufinden, wo ihr Ortungssinn steckt. Da hätten wir Kaninchen, deren Augen mit Haarspray besprüht werden, um zu testen, wie sich das auf die Hornhaut auswirkt. Da hätten wir Wuff, der tagtäglich in eine mit Wasser gefüllte Zisterne hinabgelassen wird, bis zum Rand der Erschöpfung um sein Leben kämpft und dann „gerettet“ wird. Dem man Hoffnung einimpfen will. Und dann haben wir da Snitter, den bedauernswerten kleinen Foxterrier, der sich einer Gehirnoperation unterziehen musste. In seinem Schädel klafft eine große Wunde und er lebt irgendwo zwischen Traum und Wirklichkeit.

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Vielleicht bist du überhaupt nicht draußen. Vielleicht bist du ertrunken. Wir sind tot. Wir sind gar nicht geboren worden. Da ist eine Maus – eine Maus, die singt -, ich bin bis auf’s Hirn zernagt, und es hört überhaupt nicht mehr auf zu nässen – jedenfalls nicht in diesem Auge hier.

(S.21)

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Richard Adams lässt nun diese beiden Hunde auf wundersame Weise entkommen, doch in der realen Welt stellen sich ihnen weitere Probleme. Wie überlebt man ohne Menschen? Snitter, der früher ein liebevolles Herrchen hatte, will zurück zu den Menschen und versucht alles, um ein Herz zu erweichen. Doch die Menschen haben Angst: Entlaufene Hunde, womöglich gefährlich, lieber nicht zu Nahe kommen.

Sie lernen auf ihrem Weg durch die Berge den Fuchs kennen, der, listig wie er ist, ihnen seine Hilfe anbietet, damit sie überleben können und er … ja, damit er genug zu fressen bekommt. Sie raufen sich zusammen, doch den Menschen im Dorf fallen die gerissenen Schafe auf, sie greifen zur Waffe, suchen die Hunde. Ein Zeitungsreporter steht bald auf der Schwelle, gräbt in den dunklen Seiten des Forschungsinstituts und verbreitet – gemäß des Titels des Buches – die Angst, dass die Hunde Träger des schwarzen Todes, der Beulenpest, sind.

Das Buch zeigt eindrucksvoll, wie die Dummheit der Menschen ausgenutzt wird, und wie Tiere ausgenutzt werden für unsere Zwecke. Snitter wird zunehmend verrückter während ihrer Reise, die Gehirnoperation hat weitreichende Folgen für ihn. Und immer wieder stellte sich mir die Frage: Warum? Warum tut man so etwas einem Tier an? Darauf fand das Buch keine Antwort, natürlich nicht. Immer wieder eingeschoben wurden Debatten der Regierung, ob und inwiefern das Institut weiterhin zu unterstützen sei. Und auch hier zeigte sich einmal mehr: Ansehen, Ruhm und Macht zählen einzig und allein.  Glücklicherweise gibt es auch gute Menschen, die nicht alles glauben, was die Presse berichtet, die sich an der Hetze nicht beteiligen und das gab mir etwas Hoffnung.

Fazit

Tierversuche sind kein butterweiches Gute-Nacht-Thema, aber manchmal sind solche Themen wichtig. Auch wenn wir heute soweit sind, dass es in Deutschland gesetzlich verboten ist, so ist das Leid für viele Tiere auf der Welt noch immer greifbar. Das Buch öffnet die Augen ein Stück, es erzählt eine grausame Geschichte über Leid, aber es erzählt auch davon, was Freundschaft bewirken kann. Und die Hoffnung auf Rettung.

Bewertung im Detail

Idee ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Handlung ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Charaktere ★★★★★ ( 5 / 5 )

Sprache ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Emotionen ★★★★★ ( 5 / 5 )

= 4.4 ★★★★

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6 Kommentare zu „[Rezension] Richard Adams – Die Hunde des Schwarzen Todes

  1. Liebe Gabriele,

    Ich hatte bei deiner ersten Vorstellung von Buch gar nicht mitgeschnitten, worum es wirklich in der Geschichte geht und bin jetzt umso schockierter. Ich stimme dir aber vollkommen zu, dass es ein Thema ist, vor dem man auf keinen Fall die Augen verschließen sollte!
    Leider sind Tierversuche zwar in Deutschland immer noch nicht gänzlich verboten, haben allerdings ein ganz anderes Ausmaß als in einigen anderen Ländern. Und viele Sachen lassen sich leider auch nicht anders bewerkstelligen.
    Mein Freund arbeitet bei den Wasserbeteiben und dort gibt es ein kleines Aquarium mit Fischen, die in unserem Grundwasser leben und natürlich beobachtet werden. Aber selbst dafür muss eine Tierschutzbeauftragte vor Ort sein, um das Ganze im Auge zu behalten.
    Ich finde das Thema, so schrecklich es größtenteils auch ist, unglaublich spannend und werde mir das Buch auf jeden Fall merken!

    Liebste Grüße ❤ Jill

    Gefällt 1 Person

    1. Huhu Jill! 🙂
      Es freut mich, dass dich das Buch trotz des Themas interessiert. Es liest sich gut und da man aus der Sicht der Hunde liest, hat man einen ganz anderen Ansatzpunkt. Ich find es gut, dass da selbst für Fische jemand da ist, es sind ja ebenso Lebewesen wie du und ich.

      Ganz liebe Grüße! 💕
      Gabriela

      Gefällt 1 Person

  2. Ich auch!
    So sollte es gar nucht erst da zu kommen, dass solche Versuchsreihen in eine „komische“ Richtung abdriften.
    Wenn ich es lese, werde ich berichten 😉
    Die Hundeperspektive hat mir schon bei „Bailey“ wirklich gut gefallen. Allerdings bin ich dann meistens durchgehend am weinen. Ein Mensch stirbt in der Geschichte? Super traurig. Aber ein Tier? Ich bin am Ende.

    Liebste Grüße und ein schönes Wochenende❤ Jill

    Gefällt 1 Person

    1. Geht mir genauso. Ich ertrage Menschenschicksale viel leichter, als die von Tieren. Ich muss dann immer.meinen Hund nehmen und flauschen und ihm sagen, dass ihm nie ein Leid geschehen wird. 😅

      Dir auch ein schönes Wochenende! 💕

      Gefällt mir

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