Rezensionen · Romane

[Rezension] Stefan Bachmann – Palast der Finsternis

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Buchdetails

Erscheinungsdatum Erstausgabe :23.08.2017

Verlag : Diogenes

ISBN: 9783257300550

Genre: Roman

Flexibler Einband 400 Seiten

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schnörkel

 

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Eine kalte Hand umklammert mein Handgelenk, und ich wirble zu dem Ding herum, das meine Mutter gewesen ist. Es starrt mich an. Es lächelt immer noch, aber ohne jeden Liebreiz. Nur hungrig. (S.308)

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Inhalt

Anouk nimmt mit vier weiteren Jugendlichen an einer Expedition teil. Sie fliegen nach Frankreich und sollen hier einen wiederentdeckten alten Palast tief unter der Erde erforschen. Doch ihr Abenteuer verläuft völlig anders, als sie es sich erträumt hätten. Ein nackter Kampf ums Überleben im Hier und Jetzt sowie im späten 18. Jahrhundert entbrennt.

Rezension

Anouk ist eine Außenseiterin. Sie lebt ein Leben im Überfluss, nur eines fehlt ihr: Freundschaft und Liebe. Da erreicht sie die Einladung einer französischen Familie, an einer Expedition teilzunehmen. Sie fälscht die Unterschrift ihrer Eltern und macht sich zusammen mit Lilly, Jules, Hayden und Will auf den langen Weg nach Péronne.

Doch schon bei ihrer Ankunft wird klar, hier läuft etwas nicht mit rechten Dingen ab; ihr eigentlicher Grund hier zu sein, ist ein völlig anderer als bisher angenommen. Nur mit Müh und Not retten sich die Jugendlichen in den Palais du Papillon, den unterirdischen Palast der Familie Bessancourt.

Parallel zur heutigen Zeit lernen wir Aurélie und ihre Familie kennen. Es ist 1789 und die französische Revolution ist in vollem Gange. Die adelige Familie muss fliehen, bevor der Pöbel sie alle umbringt. Natürlich fliehen sie in den Palais du Papillon. Doch Aurélies Vater ist nicht der herzerwärmende Mensch, der er sein sollte. Er hütet ein finsteres Geheimnis in den unzähligen Sälen, Zimmern und Gängen des unterirdischen Palastes. Kapitel für Kapitel deckt man zusammen mit Aurélie und der ehemaligen Wache Jaques immer mehr einer bitteren Wahrheit auf. Diese Kapitel gefielen mir immer ein kleines bisschen mehr, einfach weil ich den Charme der alten Tage mag, die Isolation mit Aurélie spürte und mit ihr hoffte und bangte, ob die Flucht gelingen wird.

Doch auch in der jetzigen Zeit ist die Spannung sehr hoch gehalten. Wir rennen mit den Jugendlichen planlos durch die vielen Säle, wundern uns über deren Kuriositäten, schmecken die abgestandene Luft und fürchten uns vor dem l’homme papillon, dem Schmetterlingsmann. Denn dieser ist kein Mensch, dieser ist ein lebendes Ungeheuer. Hier setzen auch meine zwei winzigen Kritikpunkte ein. Eigentlich sind es auch keine Kritikpunkte, eher Wünsche. Zum einen wäre eine Karte des unterirdischen Palastes im Inneren des Buches fantastisch gewesen, um die Jagd noch besser nachvollziehen zu können. Auch hätte der Autor mehr auf die geheimen Machenschaften des Schmetterlingsmannes eingehen können, denn trotz aller Gruseligkeit blieb er mir etwas verschwommen.

Viele der Räume, die Anouk und die anderen durchqueren, weisen versteckte Fallen auf. Gespannte Drahtseile, die selbst Holz und Keramik wie Butter zerschneiden können, rasen auf sie zu, und Giftwolken in aufsteigenden Fallen sind nur der Anfang.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, wobei natürlich Anouk und Aurélie, aus deren Ich-Perspektive auch jeweils erzählt wird, die größte Tiefe besitzen. Doch auch Will und Lilly sind mir ans Herz gewachsen. Bei Jules fiel es mir schon schwerer, da er für mich nicht so richtig greifbar war. Und Hayden ist ein Mensch, den ich vermutlich auch im wahren Leben ignorieren würde.

Die Sprache ist wunderbar flüssig, klar und doch mit besonderen Feinheiten gespickt. Die teilweise sehr kurzen Kapitel schafften es, dass ich immer noch eins mehr las. Und noch eins. Und noch eins. Die Spannung hält sich bis zur letzten Seite. Die von den Protagonisten aufgeworfenen Fragen nach dem Warum klären sich erst in letzter Sekunde. Auch flackern immer wieder die wildesten Bilder durch den Kopf, während man den Beschreibungen der Räumlichkeiten unter der Erde gebannt lauscht.

Fazit

Ein tolles Buch, welches ich mir auch großartig verfilmt vorstellen könnte. Die prickelnde Spannung, die originelle Geschichte und die Verwebung von Realität mit dem immerwährenden Wunsch der Menschheit ergab für mich ein wunderbares Leseerlebnis, dem ich sicherlich noch einige Zeit nachweinen werde.

Absolute Leseempfehlung!

Bewertung im Detail

Idee ★★★★★ ( 5 / 5 )

Handlung ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Charaktere ★★★★☆ ( 4 / 5 )

Sprache ★★★★★ ( 5 / 5 )

Emotionen ★★★★★ ( 5 / 5 )

= 4.6 ★★★★★

Vielen lieben Dank an den Diogenes Verlag für dieses großartige Lese-Erlebnis und die Überraschung in meinem Briefkasten!

 

schnörkel

 

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29 Kommentare zu „[Rezension] Stefan Bachmann – Palast der Finsternis

  1. Oh man, ich möchte das Buch auch unbedingt haben. :/
    Und nach deiner Rezi jetzt noch mehr. Aber zum Glück, hatte ich ja Geburtstag und da gab es etwas Geld. 😉
    Liebe Grüße
    Diana von lese-welle.de

    Gefällt 1 Person

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